Sehnenriss | Prof. Dr. med. Helen Abel

Es wird zwischen Streck- und Beugesehnen unterschieden. Durch die Einnahme bestimmter Medikamente, chronische Erkrankungen oder Mangelerscheinungen können die Sehnen in ihrer Struktur geschwächt werden. Dies kann vor allem über den entsprechenden knöchernen Umlenkpunkten der Sehnen zu Rupturen führen. Ebenfalls rupturgefährdet sind Sehnen, die über Metallimplantate laufen und an diesen reiben.Ferner reißen Sehnen natürlich auch aufgrund eines Traumas.

 

Strecksehnenabrisse am Fingerendgelenk, also nahe der Fingerspitzen, können bereits bei kleinsten Unfällen auftreten. Vor allem bei Ballsportarten sind die Fingersehnen besonders gefährdet, wenn der Ball auf die Fingerspitze trifft und diese ruckartig eine Beugebewegung vollzieht.

 

Ein begünstigender Risikofaktor ist auch die natürliche Abnutzung und Kalkeinlagerungen in die Sehnen zu nennen, die mit zunehmendem Lebensalter und bei jahrelangen Belastungen eintreten. Beugesehnen werden häufig im Rahmen von Schnittverletzungen in Mitleidenschaft gezogen.

 

Diagnose und Untersuchung

 

Der Patient kann den entsprechenden Finger(abschnitt) nicht mehr beugen oder strecken oder ist in der Ausführung der Bewegung geschwächt. Mittels Ultraschall kann die Diagnose erhärtet werden. Ein MRT ist nur in Ausnahmefällen nötig. Manchmal ist eine Röntgenaufnahme indiziert, um einen knöchernen Ausriss zu detektieren.

 

Konservative Therapie

 

Bei Strecksehnenrissen an den Fingerendgelenken erfolgt in der Regel eine konservative Therapie mittels einer ca. achtwöchigen Schienung des Fingers (Stack’sche Schiene). Strecksehnenausrisse am Endgelenk werden in der Regel nicht operativ behandelt.

Strecksehenausrisse weiter proximal (körpernah) bedürfen jedoch häufig einer operativen Therapie.

 

Operative Therapie

 

Bei einem knöchernen Sehnenausriss oder Bruch des Knochens ist es in manchen Fällen nötig, das Knochenfragment mittels Drähten, kleiner Platte oder Schrauben am Ursprungsort zu fixieren, um so eine Ausheilung zu ermöglichen.

 

Sehnenausrisse weiter proximal (z. Bsp. die lange Strecksehne des Daumens) bedürfen einer operativen Therapie. Da sich hier die Sehnenenden zum einen stark zurückziehen (bis weit in den Unterarm) und die Stümpfe aufgrund des jahrelangen Abriebs nicht mehr vital genug sind um nach Naht ein gutes Ergebnis zu erreichen, ist meist eine Sehnenumlagerungsoperation (Transposition) indiziert.

 

Verletzungen der Beugesehnen sollten immer operativ versorgt werden. Die Sehnenstümpfe werden hierbei mittels stabiler Nähte, die sich mit der Zeit von alleine auflösen vernäht, und können so verheilen. Zur Nachbehandlung sollte der Betroffene bis zur vollständigen Ausheilung ca. sechs Wochen lang eine spezielle Schiene tragen und zeitnah mit der speziellen Handtherapie beginnen.

 

Nachbehandlung

 

Nach der operativen Therapie erfolgt der Fadenzug nach 12-14 Tagen.  Schienenanlage erfolgt entsprechend der Verletzung (Beuge- oder Strecksehne) und entsprechend der Verletzungshöhe meist für 6 Wochen. Eine spezielle Handtherapie ist in den meisten Fällen empfohlen.

Weitere Erkrankungen der Sehnen und Bänder: